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Chlausgeissel

Ohne Chlausgeissel kein Chlauschlöpfen. Diese Seite berichtet über die Herstellung einer Geissel, wie der Knall entsteht und wie eine Geissel gepflegt werden soll.

Anschaffung

Chlausgeisseln und Zubehör kann jederzeit bei den Geisselmachern bestellt werden. Während der Chlöpfzeit können die Geisseln, Stöcke und Zwicke auch bei Döbeli Sport in Seon und in der Landi Lenzburg bezogen werden.

Reparatur

Die meisten Geisseln lassen sich reparieren oder erneuern. Wende dich dafür rechtzeitig (am besten nach der Chlöpfsaison) an die Geisselmacher.

Pflege

Die nachfolgenden Videos helfen dir dabei die Geissel neu am Stock zu befestigen oder den Zwick auszuwechseln. Ausserdem finden zu Beginn der neuen Chlöpfsaison in vielen Gemeinden Instruktionsnachmittage und Trainings statt. Die Betreuer können kleine Reparaturen vor Ort vornehmen.

Beginnt das Seil auszufransen oder machen sich andere Defekte an der Geissel bemerkbar, so ist es an der Zeit für eine Reparatur die Geisselmacher aufzusuchen. Viele Defekte können im Anfangsstadium gut repariert werden.

Damit die Geisseln lange halten, sollten sie an einem trockenen Ort mit gleichmässiger Temperatur übersommert werden. Am besten eignet sich das Schlafzimmer. Im Keller oder auf dem Estrich sind die Klimaverhältnisse weniger konstant, dadurch geht die Geissel schneller kaputt.

Geissel anbinden

Zwick anbinden

Geisselmacher

Ohne unsere Geisselmacher Daniel & Mario wäre diese Tradition nicht denkbar. In ihrer Freizeit stehen sie viele Stunden in den Werkstätten um neue Geisseln zu produzieren oder Geisseln zu reparieren. Damit die Belastung neben Familie und Beruf eine gewisse Planung zulässt, sind sie darauf angewiesen, dass Anfragen frühzeitig gemacht werden.

Wir bedanken uns an dieser Stelle für den grossartigen Einsatz!

Daniel Werren

Daniel nimmt Anfragen, Reparaturaufträge oder Neubestellungen per Telefon 076 742 04 58 oder werren-geisseln@schmid-werren.ch entgegen.

Werkstatt:
Hertistrasse 2
5704 Egliswil

Linkpfeil http://www.schmid-werren.ch/werren-geisseln/

Mario Birrer

Mario nimmt Anfragen, Reparaturaufträge oder Neubestellungen während den Öffnungszeiten von Coiffeur Susi in Wildegg, per Telefon 077 502 59 92 oder geiselwerkstatt.wildegg@gmail.com entgegen.

Adresse:
Lenzburgerstrasse 2
5103 Wildegg
Chlausgeissel
Chlausgeissel (Foto © Nicole Hediger)

Herstellung

Es gibt zwei verschiedene Ausführungen der Geisseln. Die Lenzburger oder Lüthi Geisseln und das Innerschweizer Modell.

Lenzburger oder Lüthi Geisseln

Mit der Herstellung der gefragten Geisseln wird bereits im Frühjahr begonnen. Zu Beginn werden über 10 Meter lange Jutefäden gesponnen und mit Flachs eingefasst. Es entsteht eine Litze. Anschliessend werden vier Litzen mit Hilfe eines Leitholzes zu einem Schenkel gedreht. Wiederum drei Schenkel werden zu einer fertigen Lenzburger Geissel verarbeitet. Eine solche Geissel ist aus einem Guss gefertigt. Sie wird in gleichmässigem, konischem Verlauf zusammengedreht. Dadurch wird sie biegsamer, was das Chlöpfen vereinfacht. Chlauschlöpfer in unserer Region wählen diese Geisselart, weil sie besser in der Luft liegt und einen schöneren Knall erzeugt.

Innerschweizer Geisseln

Die Fabrikation der Schenkel ist derselbe Vorgang wie bei der Lenzburger Geissel, nur sind sie länger. Nun wird die Geissel durch die Technik des "Zusammenlegens" fertig gestellt. Dabei wird ein Schenkel in einzelnen Abschnitten zusammengedreht. Durch das Zusammenlegen sieht dieses Modell verknotet aus. Manchmal werden die Innerschweizer Geisseln mit einer Vorgeissel aus Nylonschnüren ergänzt. Dieses Modell eignet sich besonders für Anfänger, da eine Reparatur einfacher ausführbar ist.

Die Länge der Geisseln variiert im Normalfall von 1.5 bis 4.5 Meter, je nach Körpergrösse und Können. Es wurde auch eine sechs Meter lange Geissel gebaut, diese ist aber auch für Könner nur schwer zum Chlöpfen zu bringen.

Die Herstellung solcher Geisseln ist 100-prozentige Handarbeit und benötigt viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Zur Zeit werden die Geisseln von unseren Geisselmachern Daniel & Mario hergestellt.

Stock & Zwick

Als Stiele (Stock) werden heute oft Rundhölzer aus dem Holzhandel verwendet. Vor langer Zeit wurden vorjährige Weihnachtsbäume oder Weisstannen aus dem nahen Wald gebraucht. Diese wurden geschält und auf dem Ofen gedörrt. Andere Quellen legten den Stock vor dem Gebrauch zusätzlich in Gülle (Jauche).

Am dickeren Ende der Geissel befindet sich das "Wybli". Es wird so mit Schnur am Stock befestigt, dass sich die Geissel ungestört drehen kann. Am anderen Ende des Seils befindet sich das "Männdli". An ihm wird der Zwick, der eigentliche Knallkörper aus Nylonfasern, befestigt.

Geisselknall

Ein Knall entsteht durch eine plötzliche Änderung des Luftdruckes, die sich von einem Punkt des Raumes als Druckwelle ausbreitet und mit Schallgeschwindigkeit unser Ohr erreicht.

Bei der Geissel ist der Zwick für den Knall verantwortlich. Er muss für einen kurzen Moment eine Geschwindigkeit erreichen, die grösser als die Schallgeschwindigkeit in der Luft ist. Nur dann ist es möglich, mit der aufgefächert sausenden Kordel die Luft so rasch zu verdrängen, dass ein Loch entsteht. Es bildet sich ein Vakuum (Unterdruck) und darum herum ein Bereich, in dem die Luft stark zusammengedrückt ist (Überdruck). Diese Störung des Luftdruckes wird bei längeren Geisseln immer grösser, weshalb diese auch immer tiefer und dumpfer klingen.

Der Knall entsteht immer dann, wenn die Geissel sich streckt. Dann wird der leicht bewegliche Zwick, der beim Ziehen umgeknickt hinter der schweren Geisselschnur hergezogen wird, augenblicklich gezwungen sich auszustrecken. Je rascher und kräftiger das Ziehen ist, desto stärker wird der "Chlapf".

Mit einer Chlausgeissel wird eine Lautstärke von über 100 Dezibel erreicht. Wobei die Schmerzgrenze beim Menschen bei etwa 130 Dezibel liegt. Zum Vergleich: Ein Presslufthammer hat permanent 100 Dezibel, ein Verkehrsflugzeug 120 und mehr Dezibel. Deshalb ist es auch wichtig, dass während dem Chlauschlöpfen ein Gehörschutz getragen wird.

Maturaarbeit: Geisselklöpfen laut gemacht

Eine Schülerin und zwei Schüler der Alten Kantonsschule in Aarau haben im Jahr 2012 ihre Maturaarbeit dem Chlauschlöpfen gewidmet. Anhand der Leitfrage "Wie maximiert man die Lautstärke des Knalls?" haben sie verschiedene Experimente durchgeführt. Unter anderem wurden verschiedene Zwicke auf ihr Lautstärkepotential geprüft. Die Arbeit ist sehr zu empfehlen und gibt nicht nur physikalische Phänomene wieder. Im geschichtlichen Teil erfährt man einiges zu verwandten Bräuchen.

Download [pdf, 15 MB]

Warum knallt eine Peitsche?

Die Sendung "Wissen vor 8" auf ARD ging am 28.01.2010 der Frage nach: "Warum knallt eine Peitsche?"

Chlauschlöpfen in Zeitlupe

In dieser Slow Motion ist die Geisselführung während dem Chlöpfen schön zu erkennen.



Quelle: https://www.chlauschloepfe.ch/geissel.php
Gedruckt: 26.10.2020 - 20:14